Verzicht und Automatisierung sind Prinzipien, die man bei der Formulierung der Ziele und der Konzipierung neuer Lösungen für das ALM eisern befolgen muss. Nur so kommen wir zu schlanken und wirtschaftlichen ALM-Lösungen. Fett ansetzen tun sie von alleine wieder!
Ausgangspunkt dieser Artikelreihe ist die Beobachtung, dass die IT sich anschickt, ALM-Silo neben ALM-Silo zu stellen, genau so, wie sie das mit den Silos der betrieblichen Anwendungen getan hat.
Die Erfahrungen zeigen, dass ALM-Funktionen, -Daten und -Abläufe viele Redundanzen enthalten, die in den letzten Jahren erst noch stark zugenommen haben. Denn jede Programmiersprache, jede eingekaufte Anwendung, jede Plattform und manche Systemsoftware kommt mit ihrer eigenen Infrastruktur für die Verwaltung von Metadaten daher. Damit nicht genug: Die Einführung von IT-Ressourcen-, Project-Portfolio-, und Enterprise-Architecture-Management sowie ITIL , — wenn möglich jedes mit seinem eigenen Werkzeug — hat die Metadatenmenge vergrössert, und natürlich hat jedes Werkzeug und jedes Arbeitsgebiet seinen privaten Silo!
Beim Durchforsten des Dickichts von Funktionen, Daten und Prozessen sollten wir uns von diesen Prinzipien leiten lassen:
Verzichte auf alles, was nicht wirklich nötig ist und nicht mit vernünftigem Aufwand fehlerfrei auf Stand gehalten werden kann. Es gibt Informationen, die man sich gescheiter ad hoc beschafft, als dass man sie dauernd pflegt. Nicht jedes Metadatum muss in Echtzeit erfasst werden.
Wir alle haben schon zur Genüge erfahren, dass eine absolute Mussanforderung wegen «höherer Gewalt» plötzlich zum Nice-to-have-Feature mutiert. Warum nicht selbst einmal die höhere Gewalt spielen?
Vereinfachen: Mit Verzichten vereinfachen wir. Das was uns schliesslich als unverzichtbar erscheint, lässt sich meistens noch einmal vereinfachen. Was bringen komplizierte Lösungen, die keiner versteht und erst noch nicht richtig funktionieren? Jede einfache Lösung ist ihnen überlegen. Und zum Schluss, um allen das Leben zu vereinfachen:
Automatisiere, was sich automatisieren lässt. Wenn Redundanzen unvermeidlich sind, dann wenigstens auf eine kostengünstige und sichere Art. Viele ärgerliche und zeitraubende Fehler lassen sich durch Automatisierung zu 100 Prozent ausschalten.
Schliesslich ist alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit, der Effizienz und Effektivität: Mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel leisten. Verzicht, Vereinfachung und Automatisierung sind die wirksamsten Helfer!
Weitere Beiträge in dieser Reihe
(1) Fehler darf man machen — aber nicht zwei Mal dieselben
(2) Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg
(3) Manuelle Arbeit — und wie man sie besser los wird
(4) Am Anfang steht die Anforderungsanalyse
(5) ITIL und ALM
(6) Ohne Istaufnahme geht es nicht
(8) Ein Projekt
(9) Prozessautomation
(10) Zukunftsaufgabe Metadaten-Integration