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Diese Beitragsreihe basiert auf dem Artikel  «Five Imperatives for Application Lifecycle Management» der IBM Rational-Mitarbeiterin Carolyn Pampino.

Im abschliessenden Beitrag geht es um kontinuierliche Prozessverbesserung: ein Dauerthema, wie die Bezeichnung selbst es sagt.

Gesagt heisst noch nicht gehört,
gehört noch nicht verstanden,
verstanden noch nicht einverstanden,
einverstanden noch nicht angewandt
und angewandt noch nicht beibehalten.

Die einen schreiben dieses Wort dem Verkaufstrainer Heinz Goldmann zu, andere dem Zoologen, Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz.

Egal, Prozesse unterliegen diesem Gesetz ganz besonders: Sie werden nicht von alleine beibehalten, sie verlottern, sie erodieren.

Prozesse: unsichtbar und allgegenwärtig

Prozesse sind für mich etwas ganz Seltsames: Alles, wirklich alles, was wir selbst tun, was alle anderen tun, wirklich alles, was um uns herum geschieht, alles ist ein Teil eines Prozesses. Die Regeln, nach denen ein Prozess abläuft, sind aber meistens unsichtbar: Nur selten haben wir eine Prozessanweisung vor uns liegen, z.B. wenn wir ein Kochbuch benutzen, den Bildschirmdialog des Billettautomaten.

Die angenehmsten Prozesse: die automatisierten

Bei Prozessen ist eine unsichtbare Hand vonnöten, die dafür sorgt, dass die Prozesse nicht verludern. Die unsichtbare Hand des Bildschirmdialogs und die unsichtbare Hand des vollautomatisierten Prozesses im Hintergrund sind solche unsichtbaren Hände. Ja, zugegeben, ein schlecht konzipierter Mensch-Maschine-Dialog ist mehr als nervend; da ziehe ich die Automatik im Hintergrund vor. Aber mit der lässt sich nicht alles erledigen.

Prozesse brauchen Pflege

Es ist nun mal so: Weil Prozesse unsichtbar und trotzdem allgegenwärtig sind, müssen wir sie pflegen. Sie festzulegen, ist nicht einfach, weil sie unsichtbar sind, und deshalb ist kaum einmal ein Prozess von Anfang an perfekt. Und zudem ändert sich die Prozessumgebung ja auch. Deshalb müssen wir dauernd ein Auge auf den Prozessen haben, um Mängel zu entdecken und zu beheben, um Verbesserungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Das ist eine Daueraufgabe – überall. Die Managementlehre der letzten zwei Jahrzehnte ist voll davon, weil sie erkannt hat, dass die Prozesse das Öl und das Getriebe sind, ohne die der Karren nicht läuft.

Carolyn Pampinos Checkliste

Dont’s Do’s
Vergessen Sie die Prozesse! Oder sehen Sie diese als ein notwendiges Übel an. Gut definierte Prozesse: 

  • helfen Ihrem Team, einen guten Arbeitsrhythmus zu finden;
  • vermeiden Probleme, wenn sich mal jemand daneben benimmt.
Verkünden Sie Prozessverbesserungsziele, aber geben Sie nie bekannt, was die Verbesserungen gebracht haben. Zeigen Sie über Teamgrenzen hinweg mit Hilfe von Übersichten die Verbesserungspotenziale. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Burndown in einer Iteration Schwierigkeiten haben, zeigen Sie den Burndown in einer Übersicht und führen Sie die Übersicht nach, um den Burndown zu zeigen.
Legen Sie einen Prozess fest, legen Sie die Definition in einem Ordner oder auf der Festplatte ab, damit ihn ja keiner mehr je sieht! Verwenden Sie ein Werkzeug, das Ihnen hilft, den Prozess durchzusetzen.
Definieren Sie einen Prozess ganz am Anfang und ändern Sie ihn nie wieder. Verwenden Sie Werkzeuge, die Prozessverbesserungen leicht ermöglichen; passen Sie die Prozesse an: im Projektverlauf, wenn das Team dazugelernt hat oder Verbesserungen für notwendig erachtet.
Bauen Sie eine Prozesspolizei auf. Das Werkzeug soll das Verhalten bestimmen. Verbessern Sie das Werkzeug nach und nach. Überprüfen Sie im Rahmen Ihrer Manöverkritiken, ob die Prozesse den erwarteten Beitrag zur Erreichung angemessener Ergebnisse beitragen.

Was Sie sofort tun können

Der Vorteil einer Daueraufgabe: Man kann sogleich damit loslegen! Der Zeitpunkt ist nie falsch. Machen Sie’s doch gleich.

Was ist kürzlich bei Ihnen im ALM (Anforderungsdefinition, Entwicklung, Wartung, Test, Build, Auslieferung usw.) schief  gelaufen?

Warum? – Haben Sie die Antwort? Ja. Und jetzt fragen sie nochmals: warum? und dann nochmals usw. Spätestens beim fünften Warum, meistens schon früher,  sind Sie bei einem Prozessmangel angekommen. Und den sollten Sie jetzt beheben.

Übrigens hat dieses Warum-Fragen einen Namen, die fünf Warum, und stammt aus dem Kaizen, was auf deutsch mit kontinuierlicher Verbesserungsprozess übersetzt wurde. Das Internet liefert Ihnen mit den Stichwörtern «fünf Warum» eine Fülle an Informationen dazu.

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