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Es lohnt sich, einen Blick  auf Integrationsansätze zu werfen, die in der ALM bereits ausprobiert wurden. Denn aus der Geschichte könn(t)en wir für einmal etwas lernen.

Die Erfahrungen zeigen, dass erfolgreiche ALM-Lösungen nicht die IT in den Mittelpunkt stellen, sondern die Anwender, Anwendungen und Prozesse.

Ansätze zur Integration und Koordination des ALM  gibt es seit langem, schon zu Zeiten, als noch keiner von ALM sprach. Die einen sind verschwunden bevor sie richtig da waren, andere haben ein paar Jahre überdauert. Sie widmeten sich zu Recht der Integration von nur wenigen Teilen des ALM-Puzzles: Denn das ist schon schwierig genug, wie die Geschichte zeigt.

Was hat versagt?

Unternehmensweite Datenmodelle waren ein erster Anlauf, einen Ausschnitt der Metadaten  in den Griff zu kriegen. Die Dynamik der  Anwendungen überrollte die Trägheit eines solchen zentralistischen und IT-zentrierten Ansatzes. Die Idee war aus den durchwegs ausgezeichneten Erfahrungen mit den Datenmodellen entstanden: Die methodische Datenmodellierung war für die Architekten damals eine Wohltat, ein Riesensprung vorwärts. Die gleichen Hoffnungen setzten sie in die unternehmensweiten Datenmodelle. Aber damit wurde das Konzept auf eine Ebene und in Dimensionen gehievt, die nicht passten. Was auf Anwendungsebene gut ist, ist es nicht unbedingt auch auf Unternehmensebene.

ALF Application Lifecycle Management Framework «was an Eclipse project to develop an open integration and interoperability framework for application lifecycle management tools. The project failed to gain the suppport of significant vendors and was terminated in 2008.» So weit die Wikipedia.

Fazit: In der Vergangenheit hat die IT die ALM-Integration mit dem Fokus auf Methoden und Werkzeugen versucht, mit wenig Erfolg. Dass sie das so gemacht hat, kann man ihr nicht verargen, denn bei der Methodik und den Werkzeugen lagen damals — und teilweise heute noch— die naheliegenden und akuten Probleme. Aber ALM spielt sich zu einem grossen Teil ausserhalb des Tellerrandes der IT ab. Deshalb griff der IT-zentrierte, werkzeug- und methodenbasierte Ansatz zu kurz.

ITIL sieht vielversprechender aus

Kommen wir zu einem wirkungsvolleren Ansatz. ITIL — IT Infrastructure Library: ITIL im Detail zu erklären erübrigt sich — Wikipedia sei Dank. Im Unterschied zu den vorangehend geschilderten wenig erfolgreichen Ansätzen ist ITIL erstens erfolgreich und hat zweitens — und das ist das Bemerkenswerte — einen anderen Fokus und Ursprung. ITIL geht  das Anwendungsmanagement an:

1. aus der Sicht des Anwenders, und
2. mit Schwergewicht auf den Prozessen.

ITIL spielt sich jenseits des Informatik-Tellerrandes und über dem IT-Teller ab: Es ist der grosse Löffel, welcher der IT die Suppe anrichtet. Aber ITIL kocht die Suppe nicht, sondern stellt nur den organisatorisch-administrativen Rahmen für die Köche bereit —  das Management.

ITIL ist ein Ansatz für das gesamte ALM, aber in der Praxis stösst es auch auf Widerstände, wie eine Passage im Wikipedia-Eintrag über «Application Management» zeigt, eine Feststellung, die sich mit unseren Erfahrungen deckt:

«Während sich ITIL im Bereich Service Management weitgehend durchgesetzt hat, ist die Anwendung des ITIL-Prinzips auch auf das Thema Service Creation, also der Herstellung von Software-Applikationen, bislang wenig beachtet.»

ITIL zeigt uns, dass wir die Probleme aus der  Sicht der Anwender und der Anwendungen, problem-, nutzen- und prozessorientiert anpacken müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen.

Weitere Beiträge in dieser Reihe

(1) Fehler darf man machen — aber nicht zwei Mal dieselben
(3) Manuelle Arbeit — und wie man sie besser los wird
(4) Am Anfang steht die Anforderungsanalyse
(5) ITIL und ALM
(6) Ohne Istaufnahme geht es nicht
(7) Verzicht, Vereinfachung und Automatisierung
(8) Ein Projekt
(9) Prozessautomation
(10) Zukunftsaufgabe Metadaten-Integration

5 Kommentare zu “ALM-Integration (2): Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg”

  1. [...] (2) Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg (3) Manuelle Arbeit — und wie man sie besser los wird (4) Am Anfang steht die Anforderungsanalyse (5) ITIL und ALM (6) Ohne Istaufnahme geht es nicht (7) Verzicht, Vereinfachung und Automatisierung (8) Ein Projekt (9) Prozessautomation (10) Zukunftsaufgabe Metadaten-Integration [...]

  2. [...] Fehler darf man machen — aber nicht zwei Mal dieselben (2) Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg (4) Am Anfang steht die Anforderungsanalyse (5) ITIL und ALM (6) Ohne Istaufnahme geht es nicht (7) [...]

  3. [...] Fehler darf man machen — aber nicht zwei Mal dieselben (2) Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg (3) Manuelle Arbeit — und wie man sie besser los wird (5) ITIL und ALM (6) Ohne Istaufnahme geht [...]

  4. [...] sind wir unter dem Titel «Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg» u.a. auf die (eingeschränkte) Eignung von ITIL für das ALM eingegangen. Genau dieses Thema [...]

  5. [...] Fehler darf man machen — aber nicht zwei Mal dieselben (2) Anwender- und prozessorientiert zum Erfolg (3) Manuelle Arbeit — und wie man sie besser los wird (4) Am Anfang steht die Anforderungsanalyse [...]

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